“Wie ICH an EUCH gehandelt habe …”

Veröffentlicht in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Kontempltives, Wort zum Sonntag mit den Tags , , , , am September 22, 2012 von Bruder Berthold

 

“… der wird sein Leben retten!”

Veröffentlicht in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Kontempltives, Wort zum Sonntag am September 15, 2012 von Bruder Berthold

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Wort zum Sonntag,
16. September 2012

Liebe Schwestern und Brüder in Christi,

Das heutige Evangelium zeigt uns, Jesus meidet die große Öffentlichkeit und widmet sich intensiv seinen Jüngern. Wenigstens sie sollten ihn und seine Botschaft verstehen. Deshalb wählt Jesus das heidnische Gebiet im Norden Israels für die Ausbildung seiner Jünger. Sie sollten nicht durch die gewohnten Autoritäten im scheinbar gläubigen Judäa verunsichert werden, denen Jesus inzwischen ein “Dorn im Auge” geworden ist. In Judäa wie auch in Galiläa war Jesus nicht mehr sicher, die Anfeindungen in diesen Bereichen wurden immer schärfer. Somit bot sich für seine nun notwendigen Absichten der äußerste Norden Israels – Cäsarea Philippi – an, dort wo der Jordan entspringt, der Lebensfluss für das ganze Land.

Jesus beginnt seine Jüngerausbildung mit einer harmlosen Frage:
- – - Für wen halten mich die Menschen? (Mk 8,27b).

Was andere Leute über diesen oder jenen denken oder sagen, darüber lässt sich prima reden; man selber ist ja dabei in Sicherheit, die anderen sind dran. Auch den Jüngern fiel die Antwort nicht schwer:
Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten (Mk 8,28).

Aber Jesu nächste Frage erwartete schon viel mehr:
- – - Ihr aber, für wen haltet ihr mich? (Mk 8,29a).

Jetzt gilt es, Farbe zu bekennen, was ja viel schwieriger ist.
Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! (Mk 8,29b) – eine brave Antwort, mit der Jesus jedoch nicht ganz zufrieden ist: Er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen (Mk 8,30).

Hier musste erst noch einiges geklärt werden.
Wenn ich ganz unverhofft diese Frage gestellt bekäme, würde ich wahrscheinlich auch mit einem theoretischen Antwortsversuch aufwarten. Denn ein klares Bekenntnis … dazu ist man wohl nicht jederzeit bereit.
Versuchen wir doch selbst einmal eine ehrliche Antwort auf diese Frage zu geben. Und wenn ich zurück denke, müsste ich bekennen, dass in den verschiedenen Phasen meines Lebens meine ehrliche Antwort sehr unterschiedlich ausgefallen wäre.
Vielleicht sollten wir alle uns diese Frage von Zeit zu Zeit stellen, damit unser Glauben wach und lebendig bleibt und wir bewusster und fragend auf IHN zu gehen …
Kann es überhaupt eine perfekte Antwort von unserer Seite auf diese Frage geben?
Vielleicht aber helfen uns “die Anmerkungen Jesu” nach der “braven Antwort” des Petrus weiter. Die Jünger waren damals noch unterwegs – in der Ausbildung. Das sind wir ja auch.
Die Jünger haben sich schließlich doch wunderbar bewährt mit sehr echten Bekenntnissen, die aber stehen von uns noch aus.
Was also sagt Jesus zu der braven Antwort des Petrus? -

Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden – denn die dunklen Bereiche unserer Welt lehnen ihn ab; er wird von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden – die offiziellen Autoritäten erkennen ihn nicht an, obwohl sie durch das AT bestens auf diesen Gesandten Gottes vorbereitet waren – er werde getötet – von ihnen hingerichtet.
- – - Aber nach drei Tagen werde er auferstehen (Mk 8,31).

Doch das verstanden seine Jünger noch nicht.

Der Begriff “Messias”, mit dem Petrus antwortete, war damals vieldeutig. Die einen sahen darin eine triumphale Siegergestalt voller politischen Sprengstoffs, andere ahnten in ihm den “Gottesknecht”, den Jesaia verkündete (s. 1. Lesung) und sprechen lässt: Ich wehrte mich nicht und wich nicht zurück, denn er steht zu seinem Auftrag.
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel (Jes 50,5f), was ja wohl auch für uns letztlich unverständlich wäre. Doch in diese Richtung weist die Erklärung Jesu. Er will nach dem Willen des Vaters konsequent und gewaltlos zu seinem Wort stehen in menschlicher Begrenztheit und damit ein Zeichen der Liebe Gottes zu unserer Welt setzen, egal wie wir Menschen darauf reagieren. Er sollte und wollte menschenfreundlich bleiben, egal welche Konsequenzen sich für ihn selbst daraus ergeben.
Er wollte trotz aller Bosheit, die ihn traf, in seiner Liebe bleiben.
Die Bosheit fand ihre Grenzen mit dem Tod Jesu, der bei seiner Liebe geblieben ist und somit tatsächlich der Sieger – unser Erlöser.

Das aber duldet Petrus nicht, konnte eine solche Haltung noch nicht verstehen: Er nahm Jesus beiseite und machte ihm Vorwürfe (Mk 8,32b).
Wir Erdenbürger neigen doch alle eher zu taktischen Versteckspielchen als zu ehrlichen Bekenntnissen. Wir schlagen irgendwie zurück, wenn uns die Bosheit anderer trifft.
Vielleicht war der Versuch des Petrus für Jesus eine große Versuchung, das würde seine harte Reaktionsweise erklären:
Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!
Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen (Mk 8,33).
Der “Gottesknecht”, von dem Jesaia spricht, weiß: Er, der mich freispricht, ist nahe. Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen (Jes 50,8f). Und wir wissen und bekennen: Der konkrete Gottesknecht, Jesus, der Gesandte Gottes – der wahre Messias
– ist am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel;
- er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters:
- von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten, was schon der Gottesknecht ahnen lässt in unserer Lesung: Wer wagt es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran (Jes 50,8).

Deshalb sollten wir die Aufforderung und Mahnung Jesu an alle seine Jünger und somit auch an uns sehr ernst nehmen, solange wir noch unterwegs sind. Jesus sagt uns sehr klar:
Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;
wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten (Mk 8,34f)
und er geht uns voran
auch durch die dunklen Bereiche unserer Welt. Amen.

Euch einen gesegneten Sonntag.

Brüderliche Grüße,

+nnDnn+

Fr. ++ Brthold

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EFFATA! Öffne Dich!

Veröffentlicht in Allgemeines, Arme Ritter Christi, Kontempltives, Wort zum Sonntag am September 8, 2012 von Bruder Berthold

Wort zum Sonntag,
9. Sptember 2012

Liebe Schwestern und Brüder in Christi,

“Wir brauchen Visionen!” hören wir aus den Bereichen der Politik, der Wirtschaft, dem Arbeitsmarkt, der Wissenschaften, der Bildung und Erziehung, aus vielen Produktionsbetrieben, Geldinstituten, Handelsketten, Verlage der Musik, der Literatur, der darstellenden Kunst, der Spielzeugindustrie, und … und … und …

Visionen gibt es viele. Man kann im Internet eine Menge visionärer Angebote finden:
Strategien, die in wenigen Jahren den Umsatz in Gewinn verwandeln;
Instrumente für erfolgreiche Betriebsübernahme/-übergabe;
Entwicklungen für nachhaltigen Erfolg Ihres Unternehmens;
Sinn- und gewinnbringende Berufs- und Lebenskonzepte…
Visionen sind nichts anderes als Strategien des Handelns.
Das ist es, was sie von Utopien unterscheidet.

In der heutigen Lesung wird uns durch Jesaia eine Vision geschenkt. Der Prophet kündigt das Kommen Gottes an, was je nach Standpunkt für die einen eine Drohbotschaft ist:
Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung
(Jes 35,4); für andere ist es eine Heilsbotschaft:
Endlich wird abgerechnet und Ordnung hergestellt. Die Verzagten können aufatmen: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Er selbst wird kommen und euch erretten (Jes 35,4).

Dieses Kommen Gottes bringt Segen für die Menschen: Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf (Jes 35,5f) und eine heile Welt wird möglich:
In der Wüste brechen Quellen hervor, und Bäche fließen in der Steppe. Der glühende Sand wird zum Teich und das durstige Land zu sprudelnden Quellen (Jes 35,7f) – eine beglückende Vision!

Das Evangelium (s. Mk 7,31-37) schildert die Erfüllung dieser prophetischen Verheißung durch Jesus Christus: Er kommt in verachtetes Land – wie es schon Jesaia gesehen hat:
Einst hat er das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet, aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden (Jes 8,23).

Markus berichtet nun: Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis (Mk 7,31).
Nun kommt Gottes Heil in dieses fragwürdige Gebiet. Der Verheißene kommt zur geschädigten Menschheit – Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Nun wird die Verheißung erfüllt: Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg – Jesus will kein Schausteller sein – legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; tritt wie ein damaliger Arzt sehr konkret in direkten Kontakt mit dem Taubstummen; danach blickte er zum Himmel auf, handelt im Einvernehmen mit dem Vater, seufzte – fühlt mit der geschädigten Menschheit und sagte zu dem Taubstummen: Effata! Das heißt: Öffne dich!

Dieser Ruf an den Kranken ist an alle Menschen gerichtet, denn der Taubstumme vertritt den Zustand der Gott fernen Menschenwelt.
Oft genug verschließen wir uns noch immer eigensinnig der besseren Einsicht, die mitunter in Form einer unerwünschten Belehrung in unsere fragwürdige Lebenspraxis einbricht.
Hier aber wird diese Chance angenommen.
Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden (Mk 7,32-35). Nun ist der durch Jesu Wort Geheilte voll und ganz Mensch, er kann nun empfangen und weiter geben, hören und verkünden, ist Bild einer durch Christus “gesundeten Menschheit”.
Nicht durch Verschließen, sondern durch Öffnen kann der Mensch gesunden!

Diese Glaubenserfahrung will Markus mit den Zeugen der Heilung verkünden: Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen (Mk 7,37), die der Prophet Jesaia in unserer heutigen Lesung (s. Jes 35,5) schon lange vor Christus als Vision gesehen und uns verheißen hat.

Ja, wir brauchen Visionen, meine Lieben!
Aber uns ist viel mehr geschenkt: Gott selber verheißt durch seine uns geschenkten Visionen Großes und erfüllt es auch in seiner gütigen Menschenfreundlichkeit. Er kennt uns und überlässt uns nicht nur unseren Strategien, die ja nicht immer zu positiven Ergebnissen führen. Er verheißt und vollendet. Und dabei dürfen wir mittun.
In jedem Gottesdienst gelangen wir mit unserer Blindheit, Taubheit, Lahmheit und sonstiger Verschlossenheit an die wahre Heilquelle.
Jesu Wort kann uns öffnen, wenn wir das wollen, was ja bereits bei unserer Taufe geschehen ist: Ohr und Mund des Täuflings werden berührt mit dem Ruf “Effata”, was ihn auffordert, Hörer und Verkünder dieser Frohbotschaft zu sein.
Daran werden wir heut erinnert und aufgerufen, als wache Christen sein Wort bewusst anzunehmen, uns zu öffnen für ihn und entsprechend zu handeln. Amen.

Euch einen gesegneten Sonntag.

Brüderlichen Gruß,

+nnDnn+

Fr. ++ Berthold

… so sauber wie die Hände.

Veröffentlicht in Arme Ritter Christi am September 2, 2012 von Bruder Berthold

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Wort zum Sonntag

2. September 2012

 

 

Liebe Schwestern und Brüder in Christo,

Liebe Damen und Ritter, und Ihr, die Ihr edle Ritter und edle Damen werden wollt,

Nicht erschrecken – aber wenn der Computer unseres verehrten Großmeisters Bruder ‡ Berthold wieder repariert ist, dann dürfen wir uns am nächsten Sonntag wieder auf ein „Wort zum Sonntag“ aus des Großmeisters eigener Feder freuen.

Dieses Wochenende darf aber ER sich – aus Anlass des 10. Geburtstages seiner Tochter Delia (die beim vergangenen Investiturgottesdienst im Rahmen des 3. Generalkonventes als Page hervorragende Dienste geleistet hatte) – mit seiner ganzen Familie auf einen Familienausflug freuen, der ihn unter anderem auch in die Eifel – also in meinen bescheidenen 4 Wänden – vorbei führt, worauf ich mich sehr freue.

Doch betrachten wir uns erst einmal die Lesung des heutigen Sonntages (siehe Mk 7, 1-23), in der über das REIN und UNREIN Sein die Rede ist.

Vielleicht kennen wir es ja noch von früher, dass die Mutter den Kindern zurief, dass erst die Hände gewaschen werden müssen, bevor sich zu Tisch gesetzt wird. Ich persönlich komme ja aus der Gastronomie, und auch da ist das Händewaschen – bzw. die Hygiene allgemein – von größter Wichtigkeit.

Aus dem Judentum und aus dem Islam (eigentlich aus allen großen Religionen) kennen wir das gesetzlich genau vorgeschriebene rituelle Waschen (der Hände, der Füße, des Hauptes, …), und dieser Ritus, der zum eigentlichen „Gottesdienst“ (wenn man es so nennen möchte) gehört, wird sogar mit eigens dafür vorgesehenen Gebeten begleitet. Auch in unserer Kirche kennen wir das Händewaschen des Priesters (der ja an Stelle des Gottessohnes handelt und agiert), bevor er sich anschickt, auf dem Altar das Kreuzesopfer darzubringen. Kaum hörbar betet der Priester: „Herr wasch‘ ab meine Schuld, von meinen Sünden mach mich rein. Erschaffe mir Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“ Was äußerlich angedeutet wird, soll seine Wirkung nach innen haben, auf Herz, Geist und Seele. Alle diese Riten, die man vor allem im 2. Buch Mose finden kann, sollen nicht nur die äußere Reinheit, sondern vor allem auch die innere Reinheit symbolisieren.

Nicht umsonst kennen wir es noch aus unseren Kindertagen, dass dem allsonntäglichen Gottesdienstbesuch das Baden und das Anziehen der besten „Sonntags“-Kleider voraus ging. Immerhin – und das wird heutzutage gerne vergessen – treten wir IHM gegenüber, der König der Könige ist, der sich selbst für unser Heil am Holz des Kreuzes dem Vater hingegeben hat, und der nun wahrhaft, wirklich und wesentlich in der unscheinbaren Gestalt des Brotes im Tabernakel (übersetzt „das Zelt“) gegenwärtig ist.

Doch was nützt das schönste Reinigen, Schrubben, Polieren, Bohnern, Wienern und Stylen, was nutzen die schönsten, teuersten und edelsten Klamotten, was nutzt die schönste, sauberste und aufgepeppteste Erscheinung nach außen hin, wenn man innerlich nicht dementsprechend sauber, edel und „REIN“ ist? Wir wissen doch ganz genau, dass dem Herrn das Äußerliche nicht so sehr interessiert wie die innere „Verfassung“.

Vielleicht finden wir eine Parallele zu dem „Bildnis des Dorian Grey“ von Oskar Wilde. Dorian Grey war ein beneidenswert hübscher Mensch, von herrlichem Äußeren, der anscheinend auch nicht altern konnte. Doch das Gemälde zeigte das WAHRE Gesicht des Dorian Grey in all seiner Hässlichkeit und Abscheulichkeit. Äußere und innere Sauberkeit und Schönheit sind also nicht das Gleiche – oftmals sogar das genaue Gegenteil. Denn gerade die heutige Welt präsentiert uns in den Medien die schönsten Menschen als Idole, über deren Gesinnungen wir nur oftmals den Kopf schütteln können.

Wenn man sich nun einmal in aller Ruhe unsere ritterlichen Tugenden betrachtet, dann laufen sie ALLE auf eines hinaus: das Voraussetzen der inneren Reinheit. Denn Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, Gerechtigkeitssinn, Treue und Mut KÖNNEN beim besten Willen nicht ehrlich sein, wenn man im Innersten, also von Herzen und vom Geiste her, nicht lauter und rein ist. Also: Ehrlichkeit und (seelische) Unreinheit schließen einander aus – wie Feuer und Wasser.

Während uns zur äußeren Reinigung Wasser und Seife reicht, benötigen wir zur inneren Reinheit die Sakramente. Und diese Sakramente gilt es meiner Meinung nach wieder zu entdecken. Ohne diese 7 „Hilfsmittel“ – angefangen von der Taufe über die Buße (auch Sakrament der Versöhnung genannt) und die Eucharistie bis hin zur Letzten Ölung (bzw. Krankensalbung) kann man kaum von innerer Reinigung, von der Reinheit des Herzens und der Seele sprechen.

Wer also ein Ritter werden will, der sollte nicht NUR darauf achten, ob sein äußeres Erscheinungsbild sauber, hübsch und adrett ist, sondern ob er auch vom innersten Wesen her lauter und rein, edel und ritterlich ist. Immerhin muss der Ritter ja auch seine Rüstung und seine Waffen durch Pflege und Reinigung in Schuss halten – warum nicht auch seine Seele? Ist seine Seele, ist sein Gewissen rein und unverdorben, kann er auch reine und unverdorbene Entscheidungen für die ihm zur Sorge Anvertrauten und von seiner Milde und Gnade abhängigen Mitmenschen treffen. Nicht umsonst hat der Mantel, den wir Armen Ritter Christi tragen dürfen, die weiße Farbe; wir müssen danach trachten, dass unser Reden, Denken und Tun mindestens so rein und weiß ist wie die Farbe des Mantels, den zu tragen wir die unsagbar große Ehre haben. Es kommt immer vor, dass wir uns durch Unachtsamkeit beschmutzen … die nächste „Reinigung“ ist in unmittelbarer Nähe: In, bei und MIT Gott.

Vor allem sollten WIR den Menschen, dem wir tagtäglich begegnen, nicht nach der Sauberkeit der Fingernägel und/oder nach dem Wert (und der „Marke“) der Kleidung beurteilen, das würde uns mindestens genauso falsch und verlogen machen wie die Pharisäer und Schriftgelehrten in unserem heutigen Markus-Evangelium, die entrüstet den Messias darauf hinweisen, dass dessen Jünger Gesetzes-Bruch begehen (siehe 2. Buch Mose), weil sie das Brot essen, ohne vorher die Hände gewaschen zu haben (vgl. Mk 7, 5). Und die Antwort Jesu interpretiere ich einmal folgendermaßen: Was ist mir an meinem Gegenüber wichtiger, eine saubere Hand, ein sauberes Erscheinungsbild, oder ein sauberes, reines und lauteres Herz? „Denn von INNEN,“ so die Worte Jesu, „aus dem HERZEN der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.“ (Mk 7, 21-23).

Wenn ich also das nächste Mal mit Stolz den weißen Rittermantel umlegen darf, tue ich gut daran zu erforschen, ob mein Inneres mindestens genauso sauber und weiß ist wie diese ritterliche Insignie. Ansonsten bin ich unaufrichtig und in gewissem Sinne unrein meinen Ordensschwestern und –brüder, meinen Mitmenschen und meinem obersten Lehnsherrn gegenüber.

Vergessen wir nie: „Nicht uns, sondern DEINEM Namen sei die Ehre!“ Kann ich meinem Gott denn MEHR Ehre schenken als mit einem reinen, lauteren Herzen, das mindestens so weiß und sauber ist wie mein Mantel?

Im Namen unseres verehrten Großmeisters Bruder ‡ Berthold und unseres verehrten Großpriors Bruder † Marcel wünsche ich Euch/uns allen einen gesegneten Sonntag.

 

+ nnDnn +

 

Fr. † Heinrich OPMC

 

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Verkünder, Zeuge, Nachfolger: Johannes

Veröffentlicht in Arme Ritter Christi, Kirchenjahr und Bräuche, Kontempltives, Templerorden, Wort zum Sonntag mit den Tags , , , , , , , , , , , am Juni 23, 2012 von Bruder Berthold

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Wort zum Johannistag

24. Juni 2012

Liebe Schwestern und Brüder in Christi,

Im Jahreskreis der Sonntage feiern wir heut den Geburtstag Johannes, des Täufers, der für das Volk Gottes in besonderer Weise Verkünder, Zeuge und Jesusnachfolger ist.

So sah ihn auch der Apostel Paulus, wie unsere Lesung bestätigt:

In der Synagoge zu Antiochia stand Paulus auf und sagte: Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört! (Apg 13,16). Der Apostel hat den Juden etwas sehr Wichtiges auszurichten: Gott hat dem Volk Israel der Verheißung gemäß Jesus als Retter geschickt (Apg 13,23). Unter diesem großen Thema definiert er kurz und bündig auch die Funktion Johannes des Täufers, die auch für uns heut an seinem Geburtstag bedenkenswert sein dürfte.

Johannes der Täufer (Tizian)

 

1. Johannes als Verkünder:

Vor dessen Auftreten hat Johannes dem ganzen Volk Israel die Umkehr ans Herz gelegt (Apg 13,24). Das hatte schon Zacharias bei der Geburt seines Sohnes Johannes erkannt und verkündet: Du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten (Lk 1,76).

Schon Jesaia hatte angekündigt: Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! (Jes 40,3).

Vieles war versucht worden, Gott zu gefallen und sich bereit zu halten für den kommenden Messias, wobei auch viel Fragwürdiges praktiziert wurde – manche bewaffneten sich und erwarteten einen messianischen Aufstand.  Johannes aber sagt sehr eindeutig, worum es geht: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe! (Mt 3,2).

Diese Chance muss in der rechten Weise ergriffen werden: Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt (Lk 3,5f).

Johannes weckte im Volk große Bereitschaft für Gottes Angebot: Sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen (Mt 3,6). Der rabiate Prediger bleibt seinen fragenden Hörern nichts schuldig: Die Leute fragten ihn: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! (Lk 3,10-14).

Umkehr tut Not – eine konsequente Kurskorrektur ist notwendig. Johannes predigte sie eindringlich und lebte auch danach: Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig (Mk 1,6).

2. Johannes als Zeuge:

Paulus verkündet: Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte, sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; aber seht, nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht würdig bin (Apg 13,25). Johannes rückt nicht sich selbst in den Vordergrund. Er weiß genau, wem der erste Platz gebührt, und begibt sich als IHM Dienender in den Hintergrund.

Die von Gott Berufenen versagten völlig, sie taten das ganze Gegenteil, was Paulus schon erkannt hat: Die Einwohner von Jerusalem und ihre Führer haben Jesus nicht erkannt, aber sie haben die Worte der Propheten, die an jedem Sabbat vorgelesen werden, erfüllt und haben ihn verurteilt. Obwohl sie nichts fanden, wofür er den Tod verdient hätte, forderten sie von Pilatus seine Hinrichtung (Apg 13,27f).

Dennoch ist der erste Zeuge Jesu nicht wirkungslos geblieben.

Der endgültig verbannte Napoleon Bonaparte diktierte auf der kleinen Insel St. Helena im südlichen Atlantik seine Memoiren und diskutierte viel mit seinen wenigen Getreuen. Bei einer solchen Diskussion ging es einmal auch um Jesus Christus. Aufmerksam hörte Napoleon zu. Als schließlich ein paar kluge Skeptiker versuchten, das Licht Jesu unter den Scheffel zu stellen, sagte Napoleon: ”Meine Herren, ich kenne die Menschen. Jesus Christus aber war mehr als ein Mensch!”

Es mag uns vielleicht wundern, ein solches Wort aus dem Mund eines entthronten Kaisers zu hören. Vergleicht man die Taten Jesu mit denen Napoleons, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass Jesus wenig oder gar nichts geleistet hat. Aus diesem Grund haben die Historiker ihm keine Beachtung geschenkt. Während sie Napoleon mit Alexander dem Großen und mit Gaius Julius Cäsar in eine Reihe stellen, nehmen sie von Jesus keine Notiz. Es stimmt: Jesus hat keine politischen Leistungen vorzuweisen. Er war kein weltlicher Herrscher und kein irdischer Machthaber er hat keine Schlachten geschlagen und kein Weltreich errichtet.

Was ist es dann gewesen, das Napoleon zu seiner Äußerung veranlasste? In der nüchternen Einsamkeit seines Verbannungsortes ging ihm offensichtlich auf, wie unzuverlässig und treulos, wie labil und intrigenreich, wie arglistig und hinterhältig das menschliche Herz sein kann. Zudem hatte er erfahren, auf welch schwachen Füßen aller irdische Ruhm sich bewegte. So wurde ihm in Hinblick auf Jesus, der die Seinen nie im Stich ließ, bewusst, dass es nicht nur das Menschlich-Allzumenschliche gibt, sondern auch das, was über das bloß Menschliche weit hinausgeht.

Aus diesem Wort spricht also nicht nur eine Bewunderung für Jesus, sondern auch eine Verachtung der Menschen. Das zu bemerken ist nicht nebensächlich. Auffallend ist nämlich, wie oft man im Schrifttum der so genannten “Großen der Welt” solcher Menschenverachtung begegnen kann. So schreibt beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe in einem Aphorismus: “Man muss so lange leben wie ich, um die Menschen ganz verachten zu lernen.” Nun erreichte Jesus zwar nicht das Alter von Goethe, aber wir dürfen vermuten, dass die Menschenkenntnis Jesu die Menschenkenntnis Goethes um einiges übertraf. Vor allem fällt auf, dass der Grund, weshalb “die Großen der Welt” die Menschen bei genauerer Kenntnis verachteten, bei Jesus zum genauen Gegenteil führte. Je tiefer Jesus in das menschliche Herz hinabschaute und dort das Dunkle in seiner Vielgestaltigkeit wahrnahm, umso mehr stieg er zu den Menschen herab, um sie in Liebe heimzusuchen. Das weisen die biblischen Erzählungen unaufhörlich aus. Sie alle machen deutlich: Wo einer wegen seiner Schwächen von anderen verachtet wird, da wendet ihm Jesus sein ganzes Mitgefühl zu. Jesus war nicht nur anders als “die kleinen Leute”, sondern auch anders als “die Großen der Welt”. Wo der einzelne unter die Last seiner selbst gebeugt ist, tritt Jesus an seine Seite. Dabei gibt er ihm nicht irgendetwas Sachliches, sondern er gibt sich ihm selbst; er gibt ihm seine eigene Schulter, schiebt sie unter seine Last und trägt sie mit ihm.

Johannes der Täufer vor felsiger Landschaft (Wilhelm v. Schadow)

 

3. Johannes als Nachfolger Jesu:

Johannes rief zwei von seinen Jüngern zu sich, und schickte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. Er antwortete den beiden: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

Als die Boten des Johannes weggegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Ihr habt mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Ich sage euch: Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes (Vgl. Lk 7,18-28).

Diese Worte genügten Johannes, der in seiner Gefängniseinsamkeit unsicher geworden war, und er ging konsequent seinen Weg wie auch Jesus selbst – den Weg des Gehorsams zu seiner Sendung.

Kehren wir nun zurück zu unserer Lesung – das Zeugnis des Paulus in Antiochien. Bei allem Respekt vor dem Täufer Johannes zieht Paulus nun die Konsequenzen für sich und alle Christen:

Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt, und er ist viele Tage hindurch denen erschienen, die mit ihm zusammen von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren und die jetzt vor dem Volk seine Zeugen sind. So verkünden wir euch das Evangelium: Gott hat die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, an uns, ihren Kindern, erfüllt, indem er Jesus auferweckt hat (Apg 13,30-33).

Für Jesus selbst ist es wichtig, von uns nun zu hören, was wir in eigener Person ihm abgewinnen. Darauf machen die Evangelien an verschiedenen Stellen aufmerksam. Wenn uns auch kein anderer die Antwort darauf abnehmen kann, so könnte das Zeugnis des Johannes und der vielen Jünger Jesu uns helfen, einen persönlichen Standpunkt zu finden.

Wenn jeder von uns sich einmal fragen würde: Durfte ich schon einmal erfahren, dass durch ein Jesuswort so etwas wie eine Sinnerhellung in mein Leben kam? War ich schon einmal in die Dunkelheit des Daseins getaucht, um dann durch meine Hinwendung zu Jesus erleben zu dürfen, dass auch mir gilt, was der Evangelist sagt: “Das Licht leuchtet in der Finsternis” (Joh 1, 5) ?

Konnte ich schon einmal in der Niedergeschlagenheit seinen Trost, in der Mutlosigkeit seine Kraft, in der Ohnmacht seine Hilfe, in der Ruhelosigkeit seinen Frieden, in der Traurigkeit seine Freude, in der Haltlosigkeit seinen Halt erfahren? Ist mein Herz schon einmal weit und leicht geworden, als mir das Wort zugesprochen wurde: “Deine Sünden sind dir vergeben”?

Wem solches oder ähnliches widerfahren ist, der wird auf die Frage: “Du, für wen hältst du mich?” klar antworten können, tatsächlich umkehren können und Christus glaubwürdig als sein Jünger in der eigenen Lebenspraxis bezeugen können.

Ich wünsche euch allen einen gesegneten Sonntag, und meinen Brüdern und Schwestern und Freunden des Ordens der Armen Ritter Christi ein schönes Johannisfest.

 

Brüderliche Grüße,

 

+nnDnn+

 

Fr. ‡ Berthold

 

 

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Es gleicht einem Senfkorn.

Veröffentlicht in Arme Ritter Christi, Kontempltives, Wort zum Sonntag am Juni 23, 2012 von Bruder Berthold

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Wort zum Sonntag

17. Juni 2012

Liebe Schwestern und Brüder in Christi,

Während des Studiums fragt der Professor die Studenten für Neues Testament eines Tages, welches wohl das Hauptthema Jesu sei, unter dem er gepredigt hat. Sie waren ziemlich bestürzt, weil Sie darauf keine klare Antwort fanden. Wohl hatten sie einige Vorschläge: der himmlische Vater, die Liebe, die Erlösung und verschiedene moralische Appelle; doch der Professor sagte lächelnd dazu: “Kleine Teilaspekte”.

Sie rätselten weiter, bis er uns akzentuiert zu rief: “Das Reich Gottes!”

Genau darüber wird uns heut im Evangelium eine Lektion erteilt inForm von Gleichnissen. Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie (Mk 4,26f).

Das Reich Gottes ist ein Geschenk, das in unsere Welt hinein gesät ist, das geheimnisvoll und verborgen ohne unser Zutun wächst und als Frucht schließlich die unscheinbaren Anfänge weit überragt. Es ist eine stille, unaufhaltsam wachsende Vollendung überall in unserer Welt, die unser Gott bewirkt.

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre (Mk 4,28). Der Glaubende kann diesen Wachstumsprozess in der Geschichte ahnen und mitunter auch sehen. Wir dürfen zuversichtlich sein, egal wie viel Zeit vergeht, wie hilflos wir uns dabei fühlen, wie verzagt wir sein mögen in unserer enttäuschenden Welt, die Ernte ist jedenfalls gewiss. Sobald die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da (Mk 4,29).

Diese Sicht der Dinge wird noch deutlicher im zweiten Gleichnis:

Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können (Mk 4,31f).

Dem unscheinbaren Anfang folgt letztlich eine überwältigend große Vollendung, auf die wir uns verlassen können.

Diese Zuversicht will Paulus in seiner Weise den Korinthern vermitteln – unsere zweite Lesung – und bekennt:

Wir sind also immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde; denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende (2 Kor 5,6f).

Paulus rät zu der Konsequenz: Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind (1 Kor 5,9).

Wie aber können wir ihm gefallen? – Können wir wirklich keinen Einfluss auf das Wachstum des Reiches Gottes nehmen und nur geduldig auf die große Ernte warten, die irgendwie und irgendwann heran reift? -

Vielleicht sollten wir uns von den Gegebenheiten des Wachstums beeinflussen lassen und dadurch mit wachsen und reifen nach der Regie eines Größeren. Dazu lädt uns ja die Bitte ein: Dein Reich komme!

Louise Rinser sagt in ihrem Roman “Abenteuer der Tugend”, dass wir unser Leben auf etwas beziehen müssen, das außerhalb unseres eigenen Verfügungsbereichs liegt. Von einem solchen Ziel her bekommt jede kleine Handlung in unserem Leben eine Richtung, einen Sinn und ein Gewicht.

Wir können nichts Großes tun, wir können das Kleine aber in höchster Intensität tun und es somit ins Große heben…” Unser Leben ist von seinem tiefsten Wesen her Ziel gerichtet. Es ist eine offenkundige Tatsache, dass wir uns innerlich umso wohler fühlen, je mehr wir uns in etwas hinein “verlieren”, das über uns waltet und größer ist als wir.

Augustinus schreibt in seinem berühmten Buch “Bekenntnisse”, in denen er mit unerhörter Offenheit seinen Weg zu Gott schildert: “Du selber reizest an, dass dich zu preisen Freude ist; denn zu dir hin hast du uns geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis dass es seine Ruhe hat in dir”. Diese Einsicht war für Augustinus der Anfang eines neuen Ziel gerichteten und überaus fruchtbaren Lebens. Wahrscheinlich gibt es nur wenige, die so deutlich wie er erfasst haben, wie sehr es darauf ankommt, “dass wir unser Leben auf etwas beziehen, was außerhalb unserer üblichen Wünsche liegt”. Die Größe Gottes liegt aber nicht nur darin, dass er der Zielpunkt aller Dinge ist; seine Größe übersteigt sich noch einmal um ein Unendliches durch seine Liebe zum Kleinen und Kleinsten: Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt deren keiner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt (Mt 10,29f).

Das lässt uns doch ahnen, warum der unendlich große Gott durch seine Menschwerdung in die Kleinigkeiten menschlichen Daseins eingegangen ist. Seine Menschwerdung ist der unüberbietbare Ausdruck seiner Vorliebe für das Kleine, das er in seine unendliche Größe erheben will. So bringt uns Gott unmissverständlich zum Bewusstsein, dass es vor allem die kleinen Dinge des Alltags sind, die in seinen Augen zählen.

Betrachten wir Jesus selbst. Inmitten einer weiten Welt mit ihren ausgedehnten Reichen, ihren gewaltigen Ereignissen und Tragödien widmete er sich einem kleinen Land, kleinen Dingen, einzelnen Männern und Frauen, verschwendete Stunden an die Wenigen. In einem Land zugkräftiger Bewegungen schenkt er der einen Frau aus Samaria, dem einen Nikodemus, der einen Martha, der einen Maria Magdalena, dem einen Lazarus, dem einen Simon Petrus viele Stunden, denn der unendliche Wert des Einen ist der Schlüssel zum christlichen Verständnis der Vielen. Wir werden Christus nie näher sein als in der Sorge um den einen Mann, die eine Frau, das eine Kind.

Solcher Dienst ist die Berufung eines jeden Christen; er ist die Berufung der “kleinen Herde” (Lk 12,32), die in dieser Welt nichts zu fürchten braucht, da die Welt nicht den Gewalttätigen gehört, sondern Gottes Eigentum ist. Wer sich in ihr dem Dienst am Kleinen widmet, gehört zu den von Jesus Seliggepriesenen:

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast” (Mt 11,25). Es sind die “Kleinen”, die selbstlos die vielen kleinen, unscheinbaren alltäglichen Dinge verrichten, ohne von sich reden zu machen. Sie fallen nicht auf. Das liegt schon daran, dass man sich klein machen muss, wenn man mit den kleinen Dingen Kontakt bekommen will. So verschwinden die Kleinen in der Verborgenheit des Alltags.

Solche Verborgenheit – Inbegriff des Reiches Gottes in dieser Welt – ist aber der Ort, an dem sich ihnen Gott offenbart. In dieser Umwertung der Werte, die die Andersartigkeit des Christen in der Welt bewirkt, liegt der Sinn unseres Alltagslebens; denn im alltäglich Kleinen verbirgt sich die Verheißung des Großen und im alltäglichen Ablauf der Zeit das Werden der Ewigkeit. So hebt uns das Kleine ins Große und die Nahziele ins Fernziel, vorausgesetzt, dass wir das Kleine “in höchster Intensität tun”.

An einem großen Kunstwerk trägt auch das kleinste Detail zur Größe bei, hat auch das Kleine an der Größe teil.

Das ganze Leben ist so etwas wie ein von Gott inszeniertes Schauspiel, dessen Ende und Ausgang er allein kennt. In ihm hat jeder, der in diese Welt hineingeboren wird, seine Rolle zu spielen. Da das Nebensächlichste und Unbedeutendste für das Gelingen des Ganzen durchaus bedeutsam ist, kommt alles darauf an, dass es mit Intensität geschieht. So trägt auch das Kleine und Kleinste zur Größe bei. Ist unsere Rolle zu Ende, dann verlassen wir die Bühne des Lebens und treten in den Hintergrund Gottes zurück. Doch das Schauspiel geht weiter; es geht weiter ohne uns. Aber die von uns investierte Kraft wirkt in ihm irgendwie fort bis ganz zum Schluss. Darum wissend sagt Augustinus: “Im Kleinen treu sein, ist etwas Großes. Willst du groß sein? Dann fang beim Kleinen an.” Jesus sagt uns dasselbe in seinem Gleichnis vom Senfkprn: Mach es wie das Senfkorn; fang klein an, und du wirst dich wundern, was daraus werden wird.

Ich möchte schließen mit der letzten Strophe eines alten Komödiantenliedes, das wunderbar hierher passt:

Und keiner kennt den letzten Akt

Von allen, die da spielen;

Nur ER da droben schlägt den Takt,

weiß wo das hin soll zielen.

Euch einen gesegneten Sonntag.

 

Brüderliche Grüße,

 

+nnDnn+

 

Fr. ‡ Berthold

 

 

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… dem Glück näher kommen.

Veröffentlicht in Arme Ritter Christi, Kontempltives, Wort zum Sonntag mit den Tags , , am Juni 10, 2012 von Bruder Berthold

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Wort zum Sonntag

10. Juni 2012

Liebe Schwestern und Brüder in Christi,

 

Sind sie glücklich?

Wenn ich die Gesichter der Menschen schaue ist da bei vielen keine tiefe innere Freude, keine Fröhlichkeit, sondern eher Verbissenheit und Angespanntheit.
Hier in Deutschland bietet uns das Leben sehr viel, Unterhaltung 24/7, hohe Lebenserwartung, Frieden, wenig Zwänge durch Tradition und Konvention.

Die meisten Menschen sind auf der Suche nach Glück.
In den Buchhandlungen gibt es Ratgeber ohne Ende zum Thema „Glück“, „Wie kann der Mensch sein Glück finden“, usw.
Es entsteht der Eindruck, das Glück machbar ist. Wer nicht glücklich ist, ist selber schuld, macht wohl was falsch.

Die Statistiken sagen uns aber, dass sich noch nie so viele Menschen unglücklich, leer und ausgebrannt fühlen wie heute. Wir setzen uns selbst unter Druck, als ob die Erfüllung unserer Sehnsüchte, unserer Suche nach Glück herstellbar wäre.
Wir sehen uns nach Liebe und Geborgenheit und es gibt Gewalt und wir horten das Geld. Wir wollen das Leben und gehen auf den Tod zu.

Das Leben kann schön und gelungen sein, wenn wir nicht nur und ausschließlich nach dem Glück suchen.
Dann kommen wir auch dem Glück näher. Für ein wirklich glückliches, erfülltes, gelungenes Leben, braucht es nicht immer mehr Macht, Geld, Autos, etc., sondern auch die negativen Erlebnisse unseres Lebens. Wenn wir Trauer, Traurigkeit, Verlassenheit, Einsamkeit, Verluste, Misserfolge, das Leben in seiner ganzen Fülle annehmen, mit seinen Höhen und Tiefen, wenn wir daran wachsen, uns weiter entwickeln, nach dem Fallen wieder aufstehen, zum Leben hin uns bewegen.

Bei Gott müssen wir nichts beweisen, er nimmt uns so an, wie wir sind.
Wir sollen so sein, wie wir sind, ohne Masken, ohne Angst. Gott wird seine Liebe uns nicht entziehen, er will unser Herz erreichen. So wie ein guter Freund, eine gute Freundin sagt: Du kannst auf mich zählen, ich lasse dich nicht allein.

Euch einen gesegneten Sonntag.

Brüderlichen Gruß,

+nnDnn+

Fr. ‡ Berthold

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